Exkursion des Kunst-LKs der Q2 zur Kunsthalle in Bielefeld

Kunstobjekte als Inspirationsgegenstand für Gedichte, innere Monologe und Assoziationsketten

Kunst LK Q2 2018 1 Am 08.11.2018 besuchten wir, der Kunst-Leistungskurs der Q2, zusammen mit Frau Finke die Ausstellung der Kunsthalle Bielefeld. Wir konnten vielfältige Eindrücke auf uns wirken lassen. Werke von Künstlern, die wir bereits aus dem Unterricht kannten, konnten wir in ihrer vollen Größe bestaunen. Highlight der Ausstellung stellte das Bild „Kurs“ (1989, 300 cm x 250 cm
Öl auf Leinwand) von Gerhard Richter dar (siehe 3). Als Auftrag erhielten wir, unsere Assoziationen zu einem selbst ausgewählten Ausstellungsstück, welches wir für sehr inspirierend erachteten, in einer kreativen Form auszuformulieren. Dabei entstanden Gedichte, innere Monologe oder auch Assoziationsketten.

1. „Walchensee 36“ von Axel Kasseböhmer (Bild 1; links) ist eine Antwort auf, beziehungsweise eine Interpretation von „Walchensee mit Springbrunnen“ welches von Lovis Corinth gemalt wurde
(1; rechts).
Abgebildet ist der Walchensee, allerdings wirkt es als betrachte man diesen durch eine Fensterscheibe, an der Regen hinunterrinnt. Ausdrucksstarke Hell-Dunkel-Kontraste und die einzigartige Darstellungsform des Sees machten dieses Werk für uns zu einer besonderen Inspirationsquelle.
Der Eindruck, den uns dieses Bild vermittelt hat, haben wir in Form eines inneren Monologes festgehalten:

Es regnet schon den ganzen Tag.
Die Sonne ist schon den ganzen Tag nicht zu sehen.
Das Wasser rinnt an der Fensterscheibe hinunter.
Der Regen übertönt meine Gedanken.
Alles scheint wie weggespült.
Die Welt vor mir erscheint so verschwommen und unerreichbar.

Die Tiefe des Sees spiegelt meine Seele wieder.
Die Wasseroberfläche ist ein Ebenbild meiner Selbst.
Die Dunkelheit des Waldes umschließt bedrohend die Ruhe des Sees.

Hell
Dunkel
Licht
Finsternis
Leben
Tod
Hoffnung.

Von Ilka Averhof, Marilen Bohnenkamp, Lia Enyew und Mariele Stenzel

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2. Die Videoinstallation „The Daughter of Time”, welche 2012 von Kanako Hayashi in Kwai Chung, Hong Kong erstellt wurde, zeigt eine junge Frau, die den Faden ihres roten Wollkleides im wiederholten Umgehen eines Baumstammes um diesen herum wickelt, wobei sich ihr Kleid auflöst, der Baum von besagtem roten Garn ummantelt wird und ihre schwarze Unterbekleidung zum Vorschein kommt.
Dies ist, mit Hinblick auf die Assoziationskette, so zu interpretieren, dass jeder Gang um den Baum für ein vergangenes Lebensjahr der Frau steht und sich das Wollgarn, wie die Lebensringe des Baumes, mit der Zeit mehr und mehr um diesen wickelt. Das Video beginnt mit der im roten, vollständigen Wollkleid bekleideten Frau bei Helligkeit und endet letztlich, nach zwölf-minütigen im-Kreis-gehen, bei Dunkelheit, was symbolisch für das Ende einer Lebenszeit stehen könnte, da ihr schlussendlich zu sehendes schwarzes Unterkleid in der Farbsymbolik repräsentativ für den Stillstand beziehungsweise Tod zu stehen scheint.
So zeigt die Videoinstallation also den Lebensweg der Frau, der schöne, als auch schlechte Zeiten, dargstellt durch verlangsamtes Gehtempo, beinhaltet, und letztlich so endet, dass nichts außer dem roten Faden, der nun den Baumstamm  völlig ummantelt, übrig bleibt. Ihr Leben mag vorbei sein, doch sie hinterlässt Spuren ihres Lebens und Seins in Form eines roten Fadens, der einerseits das Ende ihres Daseins repräsentiert, andererseits jedoch auch die Möglichkeit eines Neuanfangs bedeuten mag.

Stammbaum
Familie
Lebensbaum
Hoffnung
Lebensringe für die Jahre des Baumstammes
schwarze Unterbekleidung
Tod
roter Faden
durchs Lebensbaum
rot
sauerstoffhaltiges Blut
Lebensbaum
immer im Kreis
Lebensspirale
man kommt nicht los
zentriert
Isolation
Verfall
Start bei Helligkeit
Ende bei Dunkelheit
Umgebung lebendig
alles ausgeblendet
Tempo verändert sich
schwierige Lebensphasen
schöne Zeiten
am Ende langsamer
schwerfälliger
sie hinterlässt etwas,
wenn sie geht
den roten Faden
für etwas neues

Von Ilka Averhof, Marilen Bohnenkamp, Lia Enyew und Mariele Stenzel

 

4. Das Werk "Helena´s Dream" von Marlene Dumas (2008) hat mich besonders inspiriert, weil das schlafende Mädchen auf dem Bild so glücklich aussieht. Es ist ein sehr junges, glückliches Kind das behütet von ihren Eltern schläft. Dieses Bild ließ mich auf den ersten Blick daran denken, wie schön es ist ein Kind zu sein, das gesund und glücklich ist, aber auch, dass diese Zeit so schnell vorbei ist.
Das Kind ist noch sehr klein, unschuldig und wehrlos. Es zeigt Verletzlichkeit und intime Nähe, genau so wie Distanz und Unerreichbarkeit.
Ein Gedicht zu dem Werk:


Traum
Sorgen vergessen
Ängste   und   Nöte
Glück

Von Johanna Rüther


5. Das Gemälde „Kinderverwahranstalt“ von Conrad Felixmüller (1924) hat mich auf Grund vieler Aspekte fasziniert. Das Mädchen im Vordergrund starrt mit aufgerissenen Augen den Betrachter an und man kann die Verzweiflung förmlich sehen.

Die Anstalt im Hintergund leuchtet in bunten Farben und sieht schon fast einladend aus. Im Kontrast dazu stehen die flehenden Kindesaugen und auch blutrote Fußabdrücke im Schnee die von dem abgezäuntem Gelände wegführen. Die Farbigkeit in diesem Bild fasziniert mich jedoch am meisten. Gerade auch der Himmel in seinen schwarz und violetttönen bildet einen schönen hell-dunkel Kontrast zu dem weißen Schnee. Im Vordergrund stehen Angst, Kälte und Verzweiflung.

Von Judith Knust


6. Fischli und Weiß zeigen in ihrer „162 Bilder Diashow“ vielerlei Pflanzen und lassen die verschiedenen Bilder nacheinander ablaufen, beziehungsweise ineinander übergehen.

Ich saß sehr lange vor dieser Videoinstallation, irgendwann wurde mir die Schönheit der Natur bewusst und wie klein der Mensch im Gegensatz zu der Macht der Natur ist.
Inspiriert von dieser Videoinstallation malte ich dieses Bild.


Von Florentine Schäfermeier

 

Text / Fotos: I. Averhof (Q2)

Kunst LK Q2 2018