Der Literaturkurs bringt Jay Ashers „Tote Mädchen lügen nicht“ auf die Bühne

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Die Darstellerinnen des Literaturkurses von Frau Pelizäus-Hermes aus der Q1: untere Reihe (v. l.) Annabelle Puls, Celine Enns, Julia Korber, Julia Wieschollek, Luisa Gösken; obere Reihe (v. l.) Merle Weller, Melina Prior, Dinah Waikum, Naomi Klassen, Svea Vetter, Deborah Friesen, Lara Wiemers, Ronja Axt, Laura Rubarth, Alina Kluss, Esther Peters, Isabell Bannenberg, Diana Altmiks
 

„Wissen wir, wie das, was wir zu anderen (über sie) sagen, bei diesen ankommt? Und wenn wir es wüssten, würden wir uns anders verhalten?“

Die Geschichte beginnt so harmlos: Bei einer ersten Verabredung küsst Hannah Justin, einen Angeber und ein Großmaul, der danach in seiner Clique herumerzählt, wie bereitwillig sich die Neue an der Schule befummeln ließ.

Damit hat Hannah ihren Ruf weg und ihr Image als Schlampe wird durch weitere Gerüchte, Lügen und falsche Freunde gestärkt.

Jay Ashers Erfolgsroman hat der Literaturkurs1 des Michaelsgymnasiums zum Theaterstück umgeschrieben und sehr erfolgreich auf die Bühne gebracht.

In ihrer 100-minütigen Darbietung beeindruckten die 18 Schülerinnen in einer sehr gut gefüllten Schulaula durch ein ungemein intensives Spiel und eine dichte spannungsreiche Szenenfolge, in deren Verlauf sie bewusst auf Pause und Applaus verzichteten.

Umso stärker fiel der Schlussapplaus für eine in sich stimmige Aufführung auf, in der die Oberstufenschülerinnen ihr Publikum durch manche kreative Inszenierungsidee überraschten.

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So teilen sich Ronja Axt und Lara Wiemers die Rolle der Hannah Baker: Ronja Axt leiht der toten Hannah ihre Stimme, die immer wieder erzählend und anklagend aus dem Off die Handlung auf der Bühne unterbricht, oder selbst – gleichsam aus dem Jenseits – in die Szene tritt und das Geschehen kommentiert, während Lara Wiemers der Rolle der zunächst lebensfrohen, dann aber mehr und mehr ins Abseits gedrängten Protagonistin glaubhaft Gestalt und Ausdruck verleiht.

Denn Hannah ist tot und verschickt am Tag ihres Selbstmordes ein Päckchen mit 13 Kassetten. Diese sind bestimmt für die Menschen, die sie anklagt, an ihrer Verzweiflungstat schuld zu sein und denen sie jetzt - nach ihrem Entschluss zu sterben – ihre Gemeinheiten und Gedankenlosigkeiten ins Gesicht schleudert.

Und genau dies war für den Literaturkurs Motiv und Motivation, sich am Beispiel des fiktiven Falles von Hannah Baker mit der komplexen Problematik „Mobbing“ auseinanderzusetzen.

Schließlich wecken das Schicksal der Protagonistin und ihre Reaktionen nicht nur Empathie, sondern auch Wut, provozieren und fordern zur kritischen Stellungnahme heraus.

Für viele Schülerinnen und Schüler ist Mobbing Alltag und die meisten leiden dabei allein.

Warum findet nicht vorher ein offenes Gespräch statt? Immer wieder wird geschwiegen, scheitern Dialoge und Kontaktversuche. Sprachlosigkeit ist ein großes Problem von Mobbing.

Für die weiteren am Vormittag geplanten Schüleraufführungen wird daher der Literaturkurs die eingeladenen Klassen im Deutschunterricht besuchen, um sie auf Thema und Inhalt des Stückes vorzubereiten und ihre mit der Aufführung verfolgten Ziele zu erläutern. Das Gespräch mit dem Publikum möchten die 18 engagierten Schülerinnen auch am Schluss jeder Vorstellung führen. Denn ihnen ist es wichtig, mit ihrem Theaterstück für das komplexe Thema “Mobbing” zu sensibilisieren und gemeinsam die Frage zu prüfen, was denn ein waches Umfeld auszeichnet, in dem, statt zu schweigen und zuzusehen, miteinander geredet und eine klare Haltung bezogen wird!

„Tote Mädchen lügen nicht“ - aber den Lebenden die Wahrheit zu sagen, erfordert Mut und eröffnet die Möglichkeit zur Änderung.

Fotos/Text: R. Pelizäus-Hermes