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Wozu eigentlich Literatur? Eine sehr erfolgreiche Schriftstellerin meint dazu: Man wird gezwungen, die Dinge schärfer und genauer zu betrachten. Man erfährt Dinge ganz neu. Und schließlich: Es ist klar, dass man, wenn man Wort für Wort, Satz für Satz über die Welt schreibt, in der man sich befindet, eine Ahnung von sich selbst bekommt. Man spürt und sieht: nicht nur die kühle Bergluft am Morgen, auch den Smog, den Rauch, die Abgase. Das Schöne wie das Hässliche.

Am Abend des 30. Januar: Literaturpremiere in der Aula St. Michael! In mehrstündigen Arbeitssitzungen hatten die Schülerinnen im Kreativ-Workshop des Regierungsbezirks Detmold über mehrere Sitzungen an Zeilen, Versen, Sätzen gefeilt, poliert, geschmirgelt und geschliffen. Damit etwas schön fliegt, so hat es der große Peter Rühmkorf über gelungene Dichtung gesagt, muss im Vorhinein einiges an Denk- und Formulierarbeit geleistet werden. Danach gilt: Gute Geschichten verdienen gehört zu werden.

So geschah es in Paderborn. Schülerinnen aus den achten und neunten Gymnasialklassen der Region trugen am Premierenabend des 30. Januar einen eindrucksvollen Reigen von Geschichten vor: Die gingen unter die Haut!

 

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Hanna Kordes (Freiherr vom Stein-Gymnasium Bünde) setzte den emotionalen Auftakt: die Geschichte eines Flugzeugabsturzes, geschildert aus der Perspektive eines  heranwachsenden Kindes. Der Wunsch, Flugbegleiterin zu werden, am Ende ist er förmlich zerstäubt.

Stella Brinks (Hermann Vöchting-Gymnasium Blomberg) zog die Zuhörer stilistisch-dramaturgisch mit allmählicher Steigerung in eine atemlose Verfolgungsjagd hinein, die sich zum Schluss aber als harmloses Kinderspiel entpuppte.

Giulia Wittner (Ravensberger Gymnasium Herford) inszenierte die Heimkehr eines Jugendlichen nach langer Internatszeit zugleich als unheimliche Doppelgängergeschichte.

Dalia Nasef (Gymnasium Theodorianum Paderborn) nahm in ihrer Fabel auf das Leitmotiv des Abends Bezug: die Phantasie als unabdingbares Mittel menschlicher Freiheit.

Marie Menke (Gymnasium St. Michael Paderborn) widmete sich den aktuell verheerenden Waldbränden in Australien und führte sie als finsteres Zukunftsbild aus.

Charlotte Fretter (Gymnasium St. Michal Paderborn) führte lyrische Stücke vor, die Abruptheit und Unkalkulierbarkeit von plötzlichen Aufbrüchen zeigten.

Riana Hellwig (Gymnasium St. Michael Paderborn) schilderte überaus witzig das Aufeinandertreffen zwischen einem sehr irdischen, sehr toughen und diesseitigen jungen Mädchen von heute mit einer skurrilen Dame von damals. Ist es möglich, hier und jetzt, dass man Opfer einer magischen Entführung wird? Die gute Literatur plausibilisiert das eigentlich gerade Unwahrscheinliche.

Finja Kornfeld (Evangelisch Stiftisches Gymnasium Gütersloh) umriss die Anfänge einer Coming-of-Age-Geschichte, im Zentrum standen die Narben von Gewalterfahrung und Sehnsucht eines Jugendlichen nach Nähe. Wilma Henneken (Liebfrauengymnasium Büren) schilderte eindrucksvoll das Aufwachen einer Einzelgängerin im Hospital nach einem Unfall.

Alyssa Welz (Freiherr vom Stein-Gymnasium Bünde) experimentierte mit den effektvollen Ingredienzien einer Hardboiled-Kriminalgeschichte à la Raymond Chandler: Ein Verbrecherpaar trifft sich nach Jahren in einem Lokal wieder, aber das damalige grausame Geschehen findet inhaltlich keine nähere Aufklärung.

Den effektvollen Schlusspunkt des Abends formulierte Lotta Kordes (Freiherr vom Stein-Gymnasium Bünde): Der Refrain ihres Poetry Slam-Beitrags lautete kurz und bündig: Sei einfach du selber! Schwierig wird es aber dann, so machte ihr Gedicht deutlich, wenn das Ich ein wandelbares, schwer zu fassendes Phänomen ist.

Es ist ein Glücksfall, dass es in Paderborn einen jungen Verlag gibt, der sich eigens darauf spezialisiert hat, eigenes Schreiben zu fördern. Karsten Strack (Lektora-Verlag Paderborn) leitete den Workshop zusammen mit Dr. Andreas Kolle (Gymnasium St. Michael). Finanziert wurde der Workshop von der Osthushenrich-Stiftung für Begabungsförderung Gütersloh.

Haben sich der Workshop und der Besuch in der Aula gelohnt? Ohne Frage! Wie unverzichtbar Schreiben ist, macht uns Jonathan Franzen klar: Wir sind von der Technologie, die wir geschaffen haben, und dem ständigen Trommelfeuer der sogenannten Informationen, die uns über den Weg laufen, so abgelenkt und beansprucht, dass es mehr denn je sozial bekömmlich erscheint, sich in ein spannendes Buch zu vertiefen. Der Ort der Stille, an dem man sich zum Schreiben, aber auch zum ernsthaften Lesen begeben muss, ist der Ort, an dem man wirklich vernünftige Entscheidungen treffen kann, an dem man sich wirklich produktiv mit einer anderweitig beängstigenden und kaum beherrschbaren Welt auseinandersetzen kann.

 

Text: Dr. A. Kolle

Fotos: Y. Kühler (8c)

 

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