Gelungene Beispiele aus der Unterstufe, der Mittelstufe und der Oberstufe.

Literatur erweitert unsere Wirklichkeit. Sie ist ein Medium, um der Realität neue, überraschende und klärende Aspekte abzugewinnen.

Jedes Jahr lädt der große Schreibwettbewerb Schriftwelten unseres Gymnasiums dazu ein, diese Dimension literarischer Texte neu auszuprobieren.

Im Folgenden dokumentieren wir besonders gelungene Texte aus dem Schreibwettbewerb des letzten Schuljahres, die thematisch einen engen Bezug zur allgegenwärtigen Corona-Pandemie besaßen.

Dr. Andreas Kolle

 

Aktuelle Texte aus dem Frühjahr 2021 von Nele Kepplin 6b (jetzt 7b), Philipp Heimann 8d (jetzt 9d), Lilly Neuhaus 9c (jetzt EF), Hannah Kraft (Q1, jetzt Q2), Amrei Jahn (Q1, jetzt Q2):

Nele Kepplin, 6b (jetzt 7b)

Ein Brief an…
…das Coronavirus 

Liebes Coronavirus! 

Zwar bin ich ziemlich enttäuscht von Dir, ​​ ​ ​ ​

dennoch versuche ich es erst einmal auf die nette Art. Seit über einem Jahr bist auch Du ein entscheidender Teil meines Lebens, ohne, dass ich diesem sofort zugestimmt habe. Du bist vermutlich in China, am anderen Ende der Welt, geboren und hast innerhalb kürzester Zeit eine vollständige Weltreise gemacht. Plötzlich warst Du einfach da, ohne Vorwarnung, und hast nicht nur mein Leben auf den Kopf gestellt. Auf einmal reden alle nur noch von dem Coronavirus.  ​ ​ ​   

Ich hatte Angst und ging, bevor die Maskenpflicht kam, nur noch mit Maske aus dem Haus. Das war aber gar nicht so einfach, da Masken überall ausverkauft waren und man etwas komisch angeguckt wurde. Meine Schwester hat dann Masken genäht und auch einkaufen gehen wir, seit es Dich gibt, seltener.Viele Feste und Feiern mussten ausfallen.  ​ ​​ ​ ​    

Ich hatte mich gefreut, meinen 11. Geburtstag im März 2020 mit meinen neuen Freundinnen vom Gymnasium St. Michael zu feiern und wollte Rucksäcke in einer Nähschule nähen. Aber eine Woche vorher kamst Du auch in NRW an. Dann musste der Geburtstag ausfallen. Ich war sehr traurig. Auch mit meinen Großeltern konnte ich nicht feiern und die Geschenke kamen mit der Post. Meinen 12. Geburtstag in diesem Jahr musste ich auch ohne Gäste feiern. Milliarden andere Menschen können ihren Alltag nicht mehr wie gewohnt ausleben und müssen teilweise mit starken Einschränkungen leben. Doch durch Dich weiß ich, dass es möglich ist, den Klimawandel weitesgehend zu stoppen, wenn das öffentliche Leben heruntergefahren wird. Wir alle müssen dazu beitragen, das Klima zu schützen. Die Reduzierung der Abgase durch weniger Autofahrten während des Lockdowns war schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung. Durch Dich, konnte sich die Erde zwar erholen, wir allerdings nicht so sehr. Trotz aller negativen Dinge, konnte ich bisher durch diese Umstellung meines Lebens auch viel lernen. Ich habe gelernt, meinen Tag eigenständig zu organisieren und mich selbstständig mit interessanten Themen zu beschäftigen. Ein Großteil des Schulunterrichts konnte aufgrund der großen Ansteckungsgefahr nicht in Präsenz stattfinden. Durch Dich sitze ich jeden Morgen am Computer und habe Videokonferenzen.  

Du bist fast wie ein Flummi und springst von einem Menschen zum nächsten und infizierst sehr viele von uns. Du krallst dich an uns fest, was zur Folge hat, dass viele Menschen lange damit zu kämpfen haben, Dich loszuwerden. Einige verlieren sogar den schweren Kampf gegen Dich. Da ich meine Freunde in der Schule lange nicht treffen konnte, habe ich mich teilweise sehr einsam gefühlt. In solchen Zeiten war mein Handy für mich wichtiger, als je zuvor.  

Mit Hilfe sozialer Netzwerke war es möglich, auch während des Lockdowns mit meinen Freundinnen in Kontakt zu bleiben und neue Informationen auszutauschen. Häufig haben wir per Gruppen-Videoanruf miteinander telefoniert, hatten dabei immer viel Spaß und haben viel gelacht. Dies war zwar immer eine gute Abwechslung zu dem manchmal sehr langweiligen Alltag während des Lockdowns, jedoch hätte ich viel lieber persönlich mit meinen Freundinnen in der Schule gesprochen.   Als wir dann im Sommer endlich wieder in die Schule konnten, mussten wir jedoch auch im Unterricht eine Maske tragen, was bei teilweise über 30°C alles andere als schön war. Dann mussten wir auf einmal wieder zu Hause bleiben und hatten Distanzunterricht. Mittlerweile gehen wir wieder jeden zweiten Tag in die Schule und müssen zweimal in der Woche Selbsttests durchführen. So ein ständiges Hin und Her ist für uns alle nicht immer leicht.  ​ ​ ​ ​ ​ ​         

Besonders traurig bin ich aber, wenn ich daran denke, dass ich jetzt schon ein Jahr lang immer wieder auf meine Hobbys verzichten muss. Seit einem Jahr habe ich kein Turnen mehr und keinen Klarinetten und Klavierunterricht. Volleyball spielen kann ich auch nicht mehr. Natürlich könnte ich Dich ignorieren und mich mit meinen Freunden treffen, so wie das viele meiner Nachbarn machen, aber ich möchte insbesondere ältere Menschen vor Dir schützen. Oft wünsche ich mir, dass ich morgens aufwache und plötzlich alles wieder „normal“ ist; dass Du Dich einfach in Luft aufgelöst hast. Warum hast Du es ausgerechnet auf uns Menschen abgesehen?  Warum verbreitest Du Dich so schnell? Warum bist Du so ansteckend? Wie bist Du eigentlich zu uns gekommen? Wie lange wirst Du noch bei uns bleiben?  ​ ​​ ​ ​  

Das sind Fragen, die mich im alltäglichen Leben sehr beschäftigen. Es ist schlimm, zu hören, wie viele Menschen an Dir leiden oder sogar sterben. Ich hoffe immer wieder, dass Du aufhörst, Dich zu verbreiten. Zu Beginn der Coronakrise haben meine Eltern gesagt, wir müssten jetzt zwar alle aufpassen und Abstand halten, aber viel länger als 2 Monate würde die Krise bestimmt nicht dauern. Aber da haben wir uns wohl alle getäuscht. Warum bist du so hartnäckig? 

Ich bin entsetzt, wie vielen Du egal bist. Viele treffen sich mit vielen Personen und ich glaube, so können wir dich nie besiegen. Es sei denn, du würdest uns selbst verlassen.  ​Ich möchte endlich wieder so wie früher leben!  ​ ​ ​ ​   

Du warst jetzt ein Jahr bei uns und trägst sogar den schönen Namen Corona, was Krone bedeutet, aber ich habe eine Bitte: Bitte verlasse uns für immer! Ich bin mir nicht sicher, ob wir Dich mit dem Impfstoff komplett besiegen können.  Deshalb wären wir alle froh, wenn Du selbst gehst.  ​ ​ ​

Bitte denk darüber nach! ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​        

Viele Grüße 

Nele Kepplin

 

(Philipp Heimann, G8d, jetzt 9d)

Nein danke! 

Danke, dass du immer da bist – rund um die Uhr.

Danke, dass du mein Leben beeinflusst.

Danke, dass du überall da bist, wo ich bin.

Danke, dass du mir schon so lange hilfst, mein Leben zu ändern. 

Danke, dass du mich von dem Nutzen täglicher Spaziergänge überzeugt hast.  

Danke, dass du mir so viel gibst.  

Aber auch danke, dass du mir zeigst, wie wertvoll das Leben ist,

Danke, dass du mich das Schulleben neu schätzen lässt.

Danke, dass du mir bewusst machst, dass ich mich auch über die kleinen Dinge im Leben freuen sollte.

Danke, dass du mir offenbarst, dass nichts selbstverständlich ist.

Danke, dass du mich erkennen lässt, wie schön es ist, Familie zu haben. 

Danke, dass du mir täglich deutlich machst, wie das Leben ohne dich war. 

Und wenn du mich jetzt fragst, ob du in meinem Leben bleiben sollst: 

NEIN DANKE, CORONA!

 

Danke sagen…

Von Lilly Neuhaus, G9c, jetzt EF     

Zweiter Platz im Wettbewerb der Mittelstufe 2021 zum Thema Danke sagen

Warum soll man „Danke“ sagen?
Darf man das mal hinterfragen?
„Bitte“, „Danke“ überdenken,
dem ganzen mehr Aufmerksamkeit schenken?

Wir sagen es fast wie zum Gruße,
die Antwort folgt auf schnellem Fuße.
Denn auf „Danke“ folgt ein „Bitte“,
so ist es nun einmal die Sitte.

Wann ist ein „Danke“ ernst gemeint?
Zu häufig ist es was, das scheint.
Jeden Tag benutzen wir’s.
Es ist ähnlich wie beim “Cheers”.

Doch – was bedeutet es uns denn noch?
Verschwindet, wie im schwarzen Loch!
Vergessen, wenn es ausgesprochen,
Sinn und Zweck entzwei gebrochen.

Selbst ernst gemeint geht es mitunter,
hier und da im Rauschen unter.
Dabei soll es doch beglücken,
Bemühungen mit Dank bestücken.

Daran denken sollte man,
dass „Danke“ wichtig werden kann.
Erwartet, und doch nicht gesagt,
hat es manch einen schon verzagt.

Es ist doch eigentlich nicht schwer,
auch wiegt es häufig so viel mehr.
Ein ernstes „Danke“, ab und an,
wirklich ein Lächeln zaubern kann.

Hast Du einmal daran gedacht,
wann ist das „Danke“ angebracht?
Dass „Danke“ auch zwei Seiten hat,
schnell kann man es haben satt.

Und „Danke“ doch so wichtig ist,
wenn man die Häufigkeit bemisst.
Jedoch, gesagt zu oft, und mehr
wirkt es dann schnell inflationär.

Sagst Du „Danke“ wie ein Mantra,
nicht ernst gemeint, doch mit Trara,
kann es andere schnell nerven.
Das solltest Du Dir gut einschärfen.

„Danke“ sagen ist eine Kunst,
vergeht sie doch so schnell im Dunst.
Moment und Zeit, Beharrlichkeit,
das alles zählt, bei Dankbarkeit.

Wer hätte es denn nun gedacht,
dass so vieles sei bedacht?
Dass ein „Danke“ schwer sein kann,
und was alles hängt daran?

Wofür bedankst Du dich denn jetzt?
Das sechzehnte Geburtstagsfest?
Das Outfit für den nächsten Ball?
Die Urlaubsreise, raus ins All?

Die Frühlingssonne im Gesicht?
Gesundheit und Normalgewicht?
Das Wellenrauschen an dem Strand?
Ein guter Freund an deiner Hand?

Ein tolles Frühstück jeden Morgen?
Zur Schule können, auch mit Sorgen?
Wenn Eltern Dir die Wäsche machen?
Für all die and‘ren kleinen Sachen?

Pack Dir selbst mal an die Nase!
Ruhig in einer schweren Phase.
Bewusst gesagt, zu ihm, zu ihr,
wann war’s das letzte Mal bei Dir?

Mein Dank gilt meinen Wegbegleitern,
die für mich da sind, mich erheitern,
dem Glück, das mich bis jetzt beschien,
und dem gener‘schen Maskulin.

 

 

Hannah Kraft (Q1, jetzt Q2)

Leben 

(Erster Platz im Wettbewerb 2021 der Oberstufe zum Thema Nachrichten aus dem Lockdown)

 

„Corona: Mehr als 700.000 Tote in Deutschland“; „Fünf weitere Corona-Tote im Kreis Paderborn“; „Corona-Mutante B.1.1.7: Ansteckender und tödlicher“ - seit nun mehr als einem Jahr liest und hört man täglich solche Nachrichten. Nachrichten, in denen immer die Wörter „Tod“ oder „sterben“ vorkommen. Nachrichten, die einen mit Angst erfüllen und sich wie dunkle Wolken über alle positiven Nachrichten zu legen scheinen und kein Sonnenlicht durchlassen. Nachrichten, die um das Leben nahestehender Menschen fürchten lassen, die täglich Zweifel am eigenen Handeln aufkommen lassen. Sollte ich wirklich meine Freundin besuchen? Gefährde ich meine Großeltern, wenn ich sie besuche, um sie für ein paar Stunden aus ihrer Einsamkeit zu befreien? Wäre es fahrlässig, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, wenn ich weiß, dass es unmöglich ist, dort Abstandsregeln einzuhalten?

Fragen, die wir uns jeden Tag stellen müssen. Fragen, die uns kaum Zeit lassen, durchzuatmen und an etwas anderes als Angst, Gefahr und Tod zu denken.

Aber vielleicht ist es gerade in dieser Zeit, in der es neben der Schule und der Arbeit kaum die Möglichkeit gibt, auf andere Gedanken zu kommen, wichtig, sich darauf zu konzentrieren, was uns wirklich wichtig ist, was uns ausmacht, was wir sind.

Vielleicht ist es in diesen Zeiten, in denen wir tagein, tagaus mit Nachrichten über neue Todesfälle konfrontiert werden, umso wichtiger, sich an das Wesentliche zu erinnern, um nicht zu vergessen, was es wirklich bedeutet zu leben. Aber weiß ich selbst überhaupt noch, was das Leben ist?

Leben. Substantiv, Neutrum. Bedeutung: das Lebendigsein, Existieren.

Ein kurzes Wort, einfach zu lesen und von der Bedeutung eigentlich allen bekannt.

Doch während ich hier sitze und versuche, etwas über dieses so einfach erscheinende Wort zu schreiben, fällt mir auf, dass ich eigentlich gar nichts über das Leben weiß. Mir ist bewusst, wie paradox das kling. Wer lebt – und ich lebe offensichtlich – müsste doch wissen, was es bedeutet, zu leben?

Und doch ist dem nicht so.

Es erscheint so einfach, dieses Wort zu erklären, aber wie soll man verstehen, was das Leben ist, wenn man den Tod, das Gegenteil des Lebens, nicht kennt?

Ist es nicht erforderlich, sowohl die Bedeutung eines Wortes oder Zustandes als auch die Bedeutung des Gegenteils dieses Wortes oder Zustandes erfahren zu haben, um es beziehungsweise ihn wirklich begreifen zu können? Wir wissen, was kalt bedeutet, weil wir wissen, was warm bedeutet, und wir wissen, was warm bedeutet, weil wir wissen, was kalt bedeutet. Wir verstehen, was Schmerzen sind, weil wir wissen wie es ist, frei von Schmerzen zu sein.

Wie also sollen wir wissen, was es heißt zu leben, ohne jemals dem Tod begegnet zu sein?

Was heißt es, tot zu sein?

Schenkt man Stephen Hawkings Annahme Glauben, so bedeutet Tod einfach NICHTS. Man hört auf zu leben, zerfällt zu Staub und ist einfach nichts. Man existiert nicht mehr. Für immer.

Dies klingt ziemlich deprimierend und es fällt mir schwer, mir vorzustellen, nichts zu sein.

Vielleicht weigere ich mich gerade deshalb, Stephen Hawking zu glauben, weil es sich mit dem Nichts und der Unendlichkeit ähnlich verhält wie mit dem Leben und dem Tod: Wir können es nicht begreifen. In unserer Welt scheint alles zeitlich begrenzt und nichts von ewiger Dauer zu sein und wir sind nie nichts, weil wir immer etwas sind, weil wir leben.

Vermutlich ist das auch einer der Gründe, warum ich lieber der christlichen Vorstellung vom Ewigen Leben Glauben schenke. Zwar taucht auch hier wieder das kleine große Wort „ewig“ auf, aber ich muss mich nicht mit der Frage quälen, was es heißt, nichts zu sein. Im Gegenteil, das Ewige Leben erinnert in meiner Vorstellung stark an eine ewige und irgendwie vollkommene Version des Lebens, das ich bereits kenne. Oder auch nicht kenne. Womit wir wieder bei der ursprünglichen Frage wären.

Doch trotz all meiner Überlegungen, trotz all meines Gedankensports, habe ich das Gefühl, der Antwort auf meine Frage nicht das kleinste Stückchen nähergekommen zu sein.

Frustriert blicke ich aus dem Fenster in den Nebel und lausche dem Regen, der gegen die Fensterscheibe prasselt, und ich merke, dass ich genauso wenig über das Leben weiß wie vorher.

Doch irgendeinen Sinn muss unser Dasein ja haben.

Vielleicht sind es die Menschen, all die Begegnungen, die wir in der Zeit, in der wir auf Erden sind, machen, und die kleinen Veränderungen, die wir bei den Menschen, denen wir begegnen und die wir mit der Zeit kennenlernen, bewirken.

Vielleicht sind es die Menschen, die uns auf unserem Weg begleiten und denen wir in uns ein Zuhause schenken.

Vielleicht ist es die Liebe, die Liebe unseres Lebens, die wir irgendwann treffen.

Vielleicht ist es aber auch die Musik, die unserem Dasein eine Bedeutung gibt. Die Musik, mit der es möglich ist, Menschen die Herzen zu öffnen, die dort verbindet, wo Worte und Sprache trennen.

Oder ist es ein Hobby? Ist es ein Beruf, der einen erfüllt und mit dem man andere Menschen glücklich machen kann?

Vielleicht ist es auch ein Haustier, um das wir uns kümmern, oder es sind die Reisen, die wir unternehmen, die Orte, die wir erkunden.

Oder ist es etwas ganz anderes?

Vielleicht kann ich noch immer nicht die Frage beantworten, was das Leben ist, aber ich habe endlich das Gefühl, der Antwort auf diese Frage ein wenig näher gekommen zu sein, dem Leben etwas mehr auf die Spur gekommen zu sein.

Ich mag zwar nicht wissen, was Dir Dein Leben bedeutet, aber ich habe gelernt, dass Leben etwas ganz individuelles, persönliches ist und nur ich selbst meinem Leben einen Sinn geben kann, genau wie allein Du Deinem Leben einen Sinn geben kannst.

Mit diesem Gedanken lege ich meinen Stift zur Seite und stehe auf. Während ich aus dem Haus trete, schaue ich in den Himmel, der sich gelichtet hat. Es hat aufgehört zu regnen und die ersten Sonnenstrahlen haben sich bereits herausgewagt und scheinen schüchtern auf mein Gesicht.

Ich beschließe, nach meinem Spaziergang durch die Welt der Gedanken, das zu tun, was wir gerade in diesen Zeiten nicht vergessen sollten: leben.

 

 

Amrei Jahn (Q1, jetzt Q2)

Umdenken 

(Zweiter Platz im Wettbewerb 2021 der Oberstufe zum Thema Nachrichten aus dem Lockdown)

 

Sie meinen, man kann nach vielen Jahren, die Vögel in China wieder singen hören. Man kann nun endlich die Luft wieder unbeschwert einatmen. Die Leute in Florenz singen miteinander, haben ihre Fenster weit geöffnet. Damit die Menschen, die allein sind, in diesen stillen Stunden, das Singen der Familien hören. Sie erzählen, ein Hotel im Süden von Irland verteilt kostenlos Essen an Bedürftige. Sie sagen, eine Frau läuft in Köln umher, um ihre Nummer zu verteilen. Damit die Menschen, die allein sind, in diesen stillen Stunden, jemanden zum Reden haben. 

Heute bereiten sich Moscheen, Kirchen, Synagogen und Tempel darauf vor, die Obdachlosen, die Kranken und die Schwachen bei sich aufzunehmen.

Überall auf der Welt entschleunigt sich der Alltag, zwingt zum Durchatmen und lässt innehalten. Wir beginnen zu erkennen, wie wichtig Gemeinschaft und wie grausam Isolation ist, wir beginnen aufzuwachen. Aufzuwachen, in einer neuen Realität, der wir noch nicht gewachsen sind. Die ganze Zeit haben wir uns bewegt, und sind nicht angekommen. Die ungewohnte Ruhe unseres Zuhauses, unterbrochen von einem verschwommenen Horizont und der Unsicherheit des Unbekannten. Doch in Stille findet man Antworten, dessen Fragen man sich nie bewusst war. In Einsamkeit kann man verweilen, herausfinden, was wirklich zählt.

Es schien für uns fraglos das Natürlichste, unbegrenzt durch die Stadt zu laufen. Diese Freiheit nun zerbrechen zu sehen, ist der Inbegriff dieser besonderen Zeit. Unsere sorgfältig ausgearbeitete Illusion vorhersehbarer Sicherheit, zerstört durch einen simplen Virus. Nun müssen wir beobachten, wie die gut geölten Zahnräder unserer ausgeklügelten Weltfabrik schaudernd zum Stillstand gezwungen werden. Ein vorher nicht erahnter, verborgener Feind beleuchtet unsichtbare Grenzen unserer gegenseitigen Abhängigkeit. Unheimliche Stille durchstreift leere Straßen und die ungewollte Stille lehrt uns, wie sehr wir einander in Wirklichkeit brauchen.

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