Programm für die schulpraktische Referendarausbildung am Gymnasium St. Michael

„Der Schlüssel zu gutem Unterricht sind die Lehrer.“ (PSYCHOLOGIE HEUTE, September 2013, S. 39)

 

Diese nicht ganz neue Erkenntnis des neuseeländischen Bildungsforschers John Hattie weist auf die enorme Bedeutung der Lehrerausbildung hin. In Nordrhein-Westfalen ist die schulpraktische Phase der reformierten Lehrerausbildung organisiert in einem 18monatigen Vorbereitungsdienst, der von den Zentren der schulpraktischen Lehrerausbildung (ZsfL) und den Schulen gemeinsam verantwortet wird. Im Vorbereitungsdienst werden umfangreiche personale, soziale, fachliche und fachdidaktische Kompetenzen aufgebaut mit dem Ziel, die Lehramtsanwärterinnen und –anwärter in allen Feldern des Lehrerberufs handlungsfähig zu machen. Die Ordnung des Vorbereitungsdienstes und der Staatsprüfung (OVP vom 10. April 2011) nennt sechs solcher Handlungsfelder, in denen die Referendare und Referendarinnen Kompetenzen erwerben sollen:

- Unterricht gestalten und Lernprozesse nachhaltig anlegen,

- den Erziehungsauftrag in Schule und Unterricht wahrnehmen,

- Leistungen herausfordern, erfassen, rückmelden, dokumentieren, und bewerten,

- Schülerinnen , Schüler und Eltern beraten,                                    

- Vielfalt als Herausforderung annehmen und Chancen nutzen,

- im System Schule mit allen Beteiligten entwicklungsorientiert zusammenarbeiten.

 

 

Die schulische Ausbildung umfasst drei Phasen:

1. Quartal: Kennenlernen der Ausbildungsschule, Einarbeitung und Hospitation, Unterricht unter Anleitung

2. – 5. Quartal: Ausbildung auch im selbstständig erteilten Unterricht (BdU) im Umfang von neun 45-Minuten-Stunden

6. Quartal: Vorbereitung auf die Zweite Staatsprüfung

 

Der Vorbereitungsdienst wird schulintern organisiert und koordiniert von den Ausbildungs-beauftragten (ABB), die dafür zuständig sind,

- die Einführungstage zu gestalten,

- am Eignungs- und Perspektivgespräch (EPG) mitzuwirken,

- an Unterrichtsbesuchen und den Nachbesprechungen teilzunehmen,

- die Lehramtsanwärterinnen und –anwärter individuell zu betreuen und zu beraten, im Krisenfall zu begleiten, bei Konflikten zu vermitteln,

- mit den Ausbildern des ZfsL zu kooperieren und Informationen des Zfsl weiterzu-leiten,

- die Schulleitung zu beraten,

- das Begleitprogramm zu erstellen und durchzuführen,

- die Referendarinnen und Referendare bei der Organisation des Prüfungstages zu unter-stützen

- und am Ende die Ausbildung zu evaluieren.

 

Programm für die erste Phase

Die Einführungstage dienen dazu, den jeweils neuen Referendarsjahrgang

- an der Ausbildungsschule zu begrüßen,

- dem Kollegium vorzustellen und mit Fachkolleginnen und –kollegen bekannt zu machen,

- die räumlichen Gegebenheiten der Schule vorzuführen,

- mit wichtigen Informationen zur Schulorganisation zu versorgen (Materialmappe),

- ihm die Haus- und Schulordnung nahe zu bringen sowie

- erste Unterrichtshospitationen zu ermöglichen.

Im Laufe der ersten sechs Wochen findet im Anschluss an eine selbst gehaltene Unterrichtsstunde das EPG statt, in dem der Referendar / die Referendarin über seinen / ihren individuellen Ausbildungsstand und –bedarf reflektiert.

Ferner nutzen die jungen Kolleginnen und Kollegen die ersten Monate,

- um Gespräche mit den Fachvorsitzenden über schulinterne Curricula und sonstige fachinterne Absprachen zu führen,

- um sich über an der Schule eingeführte Lehrbücher und fachspezifische Leistungskonzepte zu informieren,

- um die Pflichten eines Fachlehrers kennen zu lernen,

- um die schulinternen Arbeitsbedingungen und Ressourcen auszuloten,

- um unter Anleitung erfahrener Fachkolleginnen – und kollegen vielfältige Unterrichtserfahrungen (ca. 14 Wochenstunden) zu sammeln und mit Hilfe kriteriengeleiteter Rückmeldungen  (u. a. in schriftlichen Fachlehrerbeurteilungen) die eigenen Unterrichtskompetenzen zu erweitern.

Programm für die zweite Phase

In den mittleren zwölf Ausbildungsmonaten steht neben weiterem Ausbildungsunterricht der selbstständig erteilte bedarfsdeckende Unterricht im Vordergrund. Die Planung und Durch-führung dieses Unterrichts soll in enger fachlicher Abstimmung mit parallel unterrichtenden Betreuungslehrkräften erfolgen. Die Studienreferendare und –referendarinnen werden nun voll in die Pflichten eines Fachlehrers eingebunden:

- didaktisch-methodische Gestaltung von Unterrichtssequenzen,

- Konzipieren und Bewerten von Klassenarbeiten und Klausuren,

- Bewertung der Sonstigen Mitarbeit im Unterricht,

- Beratung von Schülerinnen und Eltern bzgl. der Leistungsentwicklung,

- erzieherische Einwirkung auf die Schülerinnen,

- Übernahme von Pausenaufsichten, Durchführung von Exkursionen, Begleitung von Schülergruppen auf Fahrten und Wandertagen,

- Mitwirkung in den (Fach-)Konferenzen,

- Einblick in die Verwaltungsaufgaben eines Lehrers,

- Teilnahme am Schulleben.

Programm für die dritte Phase

In den letzten drei Monaten absolvieren die Lehramtsanwärterinnen und –anwärter die abschließenden Unterrichtsbesuche durch die Ausbilder des ZfsL und entwickeln die zum Staatsexamen führenden Unterrichtsreihen. Sie schreiben umfangreiche Entwürfe für die Examensstunden und bereiten sich auf das Kolloquium der Staatsprüfung vor. Drei Wochen vor der Prüfung erhalten sie die Langzeitbeurteilung der Schulleitung. Die während des gesamten Referendariats regelmäßig stattfindenden Schulsitzungen mit dem ABB befassen sich mit Aspekten des Schulprogramms, mit der Reflexion über alltägliche, konkrete Handlungssituationen sowie mit Fragen zum Schulrecht und zur Schulorganisation.

Die Inhalte des Begleitprogramms beziehen sich insbesondere auf:

- Hinweise und Tipps für den BdU,

- Konzepte zur Leistungsbeurteilung, Verfahren zur Beurteilung der Sonstigen Mitarbeit,

- schulspezifische Konzepte zur individuellen Förderung und zum Methodenlernen,

- Mitwirkungsrechte und –möglichkeiten in den Gremien der Schule, Überblick über die Mitwirkungsstruktur

- Hinweise zu rechtlichen Grundlagen: Kirchliches Schulgesetz – Schulgesetz NRW

- Schulspezifischer Umgang mit Disziplinproblemen und Unterrichtsstörungen

- Führen von Elterngesprächen, Beratungskonzept der Schulseelsorge

- Tag der offenen Tür, Besonderheiten der Erprobungsstufe

- besonderer Erziehungsauftrag einer christlichen Privatschule mit ausgewiesenem pädagogischem Programm (Parallele Monoedukation), Schulentwicklung vor dem Hintergrund einer speziellen Schulgeschichte

Die Ausbildung der jeweiligen Referendargruppe ist an der Schule abgesichert durch ein Unterstützungs- und Beratungsnetz, an dem sich die Schulleitung, das Kollegium, der ABB und die Seminarausbilder beteiligen. Tandemhospitationen und eigenständige Schulgruppensitzungen fordern und fördern zudem die Teamfähigkeit sowie die Eigenverantwortung der Schulgruppe und ergänzen somit die kompetenz- und personorientierte Ausbildungsordnung, die den angehenden Lehrer / die angehende Lehrerin als Subjekt seiner / ihrer eigenen Ausbildung versteht.

 

Text/ Ansprechpartnerin: M. Mehlich