1. Allgemeine Vorbemerkungen

„Schule muss in ihrem erzieherischen und unterrichtlichen Arbeiten immer eine Antwort sein auf die Bedürfnisse der Zeit – seid also immer offen für die sich stets wandelnden Verhältnisse gemäß dem Wort des Paulus: Prüfet alles, das Gute behaltet!“ (Pierre Fourier)

Diese Aussagen des Ordensgründers Pierre Fourier, die sich in seinem 1597 verfassten Schulprogramm finden und bemerkenswerte Parallelen zu den heutigen beruflichen Handlungsfeldern aufweisen, die den Bildungs- und Erziehungsauftrag von Lehrerinnen und Lehrern beschreiben, stellen für das Gymnasium St. Michael auch heute noch eine gültige Richtschnur dar.
Dementsprechend ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, aktiv an der Ausbildung neuer Lehrkräfte beteiligt zu sein – profitieren doch alle Beteiligten von einem Austausch, in dem Erfahrung, Tradition und Innovation fruchtbar werden. Dies zeigt sich nicht nur in der täglichen Arbeit zwischen Lehrkräften und Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärtern (im Weiteren: LAA), sondern auch in der Zusammenarbeit mit dem Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Paderborn, die sich durch eine intensive Kommunikation und Kooperation auszeichnet.
Dabei erfolgt die Ausbildung der Lehramtsanwärter und Lehramtsanwärterinnen in NRW gemäß der „Ordnung des Vorbereitungsdienstes und Zweiten Staatsprüfung für Lehrämter an Schulen“ (OVP) von 2011 in der Fassung von 2018 sowie des Kerncurriculums , das die dort formulierten Ziele in den Handlungsfeldern Unterricht, Erziehung, Lernen und Leisten, Beratung und Zusammenarbeit im System Schule konkretisiert, wobei als durchgehende Grundlegung des Bildungs- und Erziehungsauftrages die Leitlinie „Vielfalt als Herausforderung annehmen und als Chance nutzen“ festgelegt ist.

Das Referendariat wird in sechs Quartale zu je drei Monaten eingeteilt, die wie folgt strukturiert sind :
Startphase Kernphase Prüfungsphase
14 Wochenstunden
(0 Stunden Bedarfsdeckender Unterricht) 14 WStd.

(davon 9 Std. Bdu) 14 WStd.

(davon 9 Std. Bdu) 14 WStd.

(davon 9 Std. Bdu) 14 WStd.

(davon 9 Std. Bdu) 14 WStd.

(0 Std. BdU)

In den ersten sechs Wochen der Startphase findet das Eingangs- und Perspektivgespräch (EPG) statt, an dem neben dem/der LAA die Kernseminarleitung sowie die Ausbildungsbeauftragte der Schule (ABB) teilnimmt; es erfolgt im Anschluss an eine Unterrichtsstunde des/der LAA, die nicht bewertet wird.
Während der Kernphase müssen die LAA 10 bewertete Unterrichtsbesuche durchführen. Die Lehrkräfte der Schule sind dafür zuständig, Gutachten für den unter Anleitung erteilten Ausbildungsunterricht zu erstellen, die am Ende der Kernphase in das Schulleitergutachten einfließen.
In der Prüfungsphase findet nur noch Ausbildungsunterricht statt, so dass eine intensive Vorbereitung auf die Zweite Staatsprüfung erfolgen kann.
Bei der Ausbildung der LAA arbeiten die Beteiligten des Zentrums für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) und der Schule zusammen. Die Ausbildungsbeauftragte der Schule ist dabei für die Unterstützung der Kooperation zwischen ZfsL und Schule, die Koordination der Lehrerausbildung innerhalb der Schule, die Beratung der Schulleitung sowie die ergänzende Beratung und Unterstützung der LAA, die Stellungnahme zur Langzeitbeurteilung durch die Schulleitung sowie für die Anhörung zu ausbildungs- und prüfungsrelevanten Aspekten zu Beginn der Zweiten Staatsprüfung zuständig .
Sie ist ebenfalls dafür verantwortlich, in Zusammenarbeit mit dem ZfsL ein schulisches Ausbildungsprogramm zu entwickeln, das auf dem Kerncurriculum basiert und sich an den folgenden Handlungsfeldern orientiert, die den Erziehungs- und Bildungsauftrag der Lehrpersonen konkretisieren:

Vielfalt als Herausforderung annehmen und als Chance nutzen,
Unterricht für heterogene Lerngruppen gestalten und Lernprozesse nachhaltig anlegen,
den Erziehungsauftrag in Schule und Unterricht wahrnehmen,
Lernen und Leisten herausfordern, dokumentieren, rückmelden und beurteilen,
Schülerinnen und Schüler und Eltern beraten,
im System Schule mit allen Beteiligten entwicklungsorientiert zusammenarbeiten.


2. Programm der Ausbildung der Lehramtsanwärter und Lehramtsanwärterinnen am Gymnasium St. Michael

Auf den bereits erwähnten rechtlichen Vorgaben und dem Curriculum der Kernseminare am Seminar Gy/Ge des ZfsL Paderborn vom 26.6.2016 basiert die Gestaltung des Ausbildungsprogramms am Gymnasium St. Michael. Dabei gilt es im Besonderen, die Erfordernisse des Kerncurriculums aufzugreifen und den Handlungssituationen konkrete schulische Handlungskontexte zuzuordnen, in denen die LAA die nötigen Kompetenzen erwerben können.
Das ZfsL Paderborn und die beteiligten Ausbildungsschulen haben dazu eine Übersichtstabelle entwickelt, die die Handlungsfelder des Kerncurriculums aufgreift, inhaltliche Bezüge herstellt und den Abstimmungsprozess zwischen Seminar und Schule für alle an der Ausbildung Beteiligten transparent macht. So ist klar ersichtlich, welche Aspekte in den jeweiligen Institutionen einen Schwerpunkt bilden bzw. dort lediglich Berücksichtigung finden.

2.1. Die Startphase

Der Beginn des Referendariats dient für die LAA dazu, in der Ausbildungsschule anzukommen und sich auf den im zweiten Ausbildungsquartal beginnenden bedarfsdeckenden Unterricht (BdU) vorzubereiten. Sie sollen möglichst vielfältige Unterrichtserfahrungen sammeln, wobei sie nach einer kurzen Anfangsphase in jedem Fach und in mehreren Jahrgangsstufen Unterricht im Umfang von 8 bis 10 45-Minuten-Stunden übernehmen und Hospitationen durchführen sollen.
Die schulische Begleitung ermöglicht den LAA in dieser Phase das Ankommen und die Orientierung in ihrer Ausbildungsschule. Dabei werden sie in die besonderen Bedingungen und Zielsetzungen der Schule eingeführt. Neben den alltäglichen und besonderen Aufgaben und Pflichten einer Lehrkraft, die sie in Ansätzen bereits zu diesem frühen Zeitpunkt kennenlernen sollten, gehört auch die Information über organisatorische und pädagogische Aufgaben von Fachlehrkräften zu den Inhalten dieser Phase.
Insgesamt soll es den LAA ermöglicht werden, in den ersten Wochen unter Anleitung erfahrener Fachlehrkräfte vielfältige Unterrichtserfahrungen zu sammeln und mit Hilfe kriteriengeleiteter Rückmeldungen (z. B. in mündlichen Reflexionen nach den Unterrichtsstunden sowie in schriftlichen Fachlehrergutachten) die eigenen Kompetenzen zu erweitern.
Das ZfsL Paderborn hat die folgende Strukturierung der ersten Wochen festgelegt: Nach der Vereidigung schließt sich eine i. d. R. einwöchige Intensivphase an, während derer die LAA bei ihren Fachleitungen u. a. an deren Schulen arbeiten. Danach erscheinen die LAA für zwei Tage an ihren Ausbildungsschulen, worauf eine pädagogische Woche in Haus Neuland erfolgt. Nach einer weiteren einwöchigen Intensivphase treten die LAA ihren Dienst an ihrer Ausbildungsschule an.

2.1.1. Gestaltung der Einführungstage am Gymnasium St. Michael

Die beiden Einführungstage am Gymnasium St. Michael gestalten sich wie folgt:
1. Stunde Begrüßung und Einführung durch ABB
2. Stunde Führung durch die Schule; Vorstellung bei Herrn Hildmann
Große Pause Vorstellung der LAA im Kollegium
3. Stunde Fachspezifische Hospitation
4. Stunde Fachspezifische Hospitation
Mittagspause Treffen mit dem älteren Referendarsjahrgang
5. Stunde Fachspezifische Hospitation
6. Stunde Fachspezifische Hospitation

Am zweiten Tag an der Schule begleiten die LAA verschiedene Kolleginnen und Kollegen in ihren jeweiligen Unterrichtsfächern. Die Stundenpläne werden frühzeitig vor Eintreffen des neuen Ausbildungsjahrgangs von der ABB zusammengestellt, wobei darauf geachtet wird, dass die LAA möglichst viele unterschiedliche Lerngruppen, Jahrgangsstufen und Fachkolleginnen und -kollegen kennenlernen.

2.1.2. Unterstützung in den ersten Wochen

Insbesondere die Zusammenstellung eines Stundenplans bedarf in den ersten Wochen der schulischen Ausbildung oftmals einer besonderen Begleitung. Darüber hinaus sind Gespräche mit den Fachvorsitzenden über die schulinternen Curricula und sonstige fachinterne Absprachen hilfreich. Eine Information über die an der Schule eingeführten Lehrwerke und über fachspezifische Leistungskonzepte soll ebenfalls erfolgen.

2.1.3. Vorbereitung und Durchführung des Eingangs- und Perspektivgesprächs

In den ersten sechs Wochen der Ausbildung wird zwischen der Kernseminarleitung, der ABB und dem/der LAA im Anschluss an eine Unterrichtsstunde ein EPG geführt, das dazu dient, „auf der Grundlage der bereits erreichten berufsbezogenen Kompetenzen weitere Perspektiven zu entwickeln und Beiträge aller Beteiligten dazu gemeinsam zu planen.“ Dabei können folgende Schwerpunkte zur Sprache kommen:
• Vergleiche mit der bisherigen Ausbildung an der Universität,
• Reflexion der Lehrerrolle und des Selbstbildes als Lehrkraft,
• Benennung von Stärken, die der/die LAA bei sich beobachtet hat,
• Festlegung von zukünftigen Arbeitsschwerpunkten in der Ausbildung,
• Vorschläge für die Entwicklung und Verbesserung der Kompetenzen des/der LAA,
• Festlegung von Unterstützungssystemen seitens der Schule und des ZfsL.
Die OVP stellt ausdrücklich fest, dass die während des EPGs gefassten „Planungen […] im Verlaufe der Ausbildung fortgeschrieben werden“ sollen; verpflichtend findet nach spätestens 9 Monaten eine erste Entwicklungs- und Planungsberatung statt, die zweite wird je nach Ausbildungsbedarf zeitlich flexibel angesetzt. Auf Wunsch des/der LAA kann die ABB zu diesen Gesprächen hinzugezogen werden.

2.1.4. Beginn des schulischen Begleitprogramms

Damit die LAA sich mit der Ausbildungsschule vertraut machen können und die wesentlichen Vorgaben und Regelungen möglichst schnell kennenlernen können, konzentrieren sich die Inhalte des schulischen Begleitprogramms während der Startphase etwa auf die folgenden thematischen Schwerpunkte: Einführung in die besonderen Bedingungen und Zielsetzungen der Schule; Gestaltung des Schullebens und Besonderheiten des Schulprogramms; alltägliche und besondere Aufgaben und Pflichten der Lehrkräfte (u.a. auch Hausaufgabenkonzept); organisatorische und pädagogische Aufgaben einer Fachlehrkraft.

 

2.2. Die Kernphase

Die Kernphase nimmt den größten Teil des Vorbereitungsdienstes in Anspruch und stellt alle Beteiligten vor enorme Herausforderungen, die v. a. daraus resultieren, dass die LAA eigenständig Verantwortung für eine Vielzahl von Aufgaben übernehmen müssen.

Während der Kernphase erteilen die LAA gemäß der Beauftragung durch die Schulleitung selbständigen, bedarfsdeckenden Unterricht im Umfang von insgesamt 18 Stunden, d. h. dass die LAA ca. 9 Stunden BdU pro Halbjahr erteilen. Im Rahmen des Restdeputats erfolgt Unterricht unter Anleitung.
Das schulische Begleitprogramm konzentriert sich in dieser Phase etwa auf die folgenden thematischen Aspekte: Alleinstellungsmerkmale der Schule: Parallele Monoedukation, 67,5-Minuten-Rhythmisierung etc. (Bezug zu den Handlungssituationen aus dem Kerncurriculum: etwa U 1, E 2, E 5); Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen der Schule (etwa E 5); Probleme und Verfahren der Leistungsbewertung sowie allgemeine und fachbezogene Konzepte der Diagnostik und der individuellen Förderung an der Ausbildungsschule (etwa U 1, L 1, L 3, L 5, L 7); Beratung von Schülern, Schülerinnen und Eltern (etwa B 1, B 2, B 3, E 4); Mitwirkung der Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte (etwa S 5, S 6); Einblicke in Verfahren der Abiturprüfung; Einblicke in die besonderen Aufgabenbereiche einer Schule (etwa S 2); Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern (etwa E 4, B 3, S 2); Verkehrserziehung (etwa E 3, E 6, S 2, S 7).
Darüber hinaus wird gewährleistet, dass der BdU, der laut OVP ebenfalls als Ausbildungsunterricht betrachtet werden soll , von einem Unterstützungssystem begleitet wird. Den LAA soll es dadurch ermöglicht werden, auf die Erfahrungen von versierten Lehrkräften zurückzugreifen. Dies geschieht sowohl durch die Fachvorsitzenden als auch durch die in den Jahrgangsstufen parallel unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer.
Für die begleitenden Lehrkräfte gilt, dass sie als Ausbildungslehrer und -lehrerinnen schriftliche Beurteilungsbeiträge zu formulieren haben, die in einem Zeitrahmen von 14 Tagen nach Beendigung der Unterrichtseinheit durch den/die LAA verfasst werden sollten. Die Gutachten werden von der ABB an die Schulleitung weitergereicht, der sie als Grundlage für die Langzeitbeurteilung dienen. Das Formular, das von den Fachlehrkräften verwendet werden soll, findet sich sowohl im geschützten Bereich der Homepage des Gymnasiums St. Michael als auch im Service-Portal des ZfsL Paderborn.


2.3. Die Prüfungsphase

Im letzten Ausbildungsquartal wird kein BdU mehr erteilt, es erfolgt ausschließlich Unterricht unter Anleitung im Umfang von 14 Stunden. Diese Vorschrift gilt auch für die Zeit nach der Prüfung. Die LAA haben dann zusätzlich die Möglichkeit, andere Schulformen oder Schulstufen kennenzulernen.
Die ABB unterstützt die LAA in dieser Phase bei der Vorbereitung auf die Staatsprüfung. Es gilt, gewünschte Prüfungstermine innerhalb der Schulgruppe abzustimmen und die Suche nach geeigneten Klassen und Kursen, in denen die Unterrichtspraktischen Prüfungen (UpP) durchgeführt werden sollen, zu begleiten. Darüber hinaus sollen die LAA frühzeitig über die Besonderheiten und Erfordernisse des Prüfungstages informiert werden. Dabei obliegt es dem ZfsL, mit den LAA alle geltenden Gesetze und Verordnungen zu thematisieren; die Ausbildungsschule konzentriert sich auf die schulischen Aspekte der Organisation der Prüfung.
Am Prüfungstag selbst wird die ABB vor den unterrichtspraktischen Prüfungen von der Prüfungskommission zu prüfungsrelevanten Aspekten gehört. Dazu zählen die allgemeine und fachspezifische Ausbildungssituation an der Schule, die Situation der Klassen und Kurse, in denen die UpP durchgeführt werden, besondere schulische Umstände am Prüfungstag und ggf. Einzelaspekte des Ausbildungsprogramms der Schule. In Bezug auf das Gymnasium St. Michael sind dabei etwa das Konzept der Parallelen Monoedukation sowie die 67,5-Minuten-Rhythmisierung zu erwähnen. Aussagen zur Qualifikation des Prüflings sind nicht erlaubt.
Nach den Prüfungen werden die neuen Lehrkräfte weiterhin begleitet; dies gilt sowohl für die Zusammenarbeit mit den bisherigen Ausbildungslehrkräften als auch für die Unterstützung bei der Suche nach anderen Schulen und Schulformen, an denen Praktika durchgeführt werden können. Dabei steht eine zunehmende Professionalisierung des Lehrerhandelns in allen Handlungsfeldern im Mittelpunkt der Bemühungen.
Zudem bietet sich während dieser Zeit die Möglichkeit, Unterrichtsmethoden und -formen zu erproben, die im normalen schulischen Alltag oft zu kurz kommen. Dazu zählen z. B. das Teamteaching, die Durchführung von Projektunterricht, eine verstärkte Kooperation mit außerschulischen Partnern und vieles mehr.

3. Evaluation

Das Gymnasium St. Michael verfolgt das Ziel, eine standardorientierte und nachhaltige Ausbildung der LAA zu gewährleisten. Um daher die schulpraktische Ausbildung der LAA und das schulische Ausbildungsprogramm am Gymnasium St. Michael kontinuierlich überprüfen und weiterentwickeln zu können, findet eine regelmäßige Evaluation statt.

 

Ansprechpartnerin: P. Ritter-Osterfeld

(01/2020)