Beratungskonzept Prävention

Fortschreibung des Beratungskonzeptes Maßnahmen zur Prävention gegen sexuellen Missbrauch und Gewalt

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Wie die Ordnung zur Prävention von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen für das Erzbistum Paderborn (Diözesangesetz vom 16. März 2011, in: KA 2011, Stück 3, Nr. 45) nahelegt, ist die Frage nach dem rechten Verhältnis von „Nähe und Distanz" im Umgang mit Minderjährigen auch für die pädagogische Arbeit an unserer Schule konstitutiv. So gibt es unter der Leitung des Schulseelsorgers, Herrn Achim Hoppe, einen Arbeitskreis „Nähe und Distanz", der sich mit dieser Thematik beschäftigt. Im laufenden Schuljahr soll in gemeinsamer Arbeit von Lehrkräften, Eltern und Schülerinnen ein Verhaltenskodex erarbeitet werden, der es den Lehrerinnen und Lehrern und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
erleichtern soll, Grenzen gegenüber Kindern und Jugendlichen zu wahren und eine klare Haltung zur Prävention sexueller Gewalt und anderer Formen von Kindesmisshandlung zu entwickeln. Er kann weiter dazu beitragen, sie vor Missverständnissen und falschem Verdacht zu schützen. Wenn sie ihr Handeln danach ausrichten, werden sie sich normalerweise nicht selbst und unbeabsichtigt in eine verfängliche Situation bringen.

 

   

 

Aus einer Befragung von Oberstufenschülerinnen im Frühjahr 2013 ergeben sich für einen solchen Verhaltenskodex folgende Ansatzpunkte:

  • In der Schule ist grundsätzlich ein „gesunder“ Abstand zwischen Lehrkräften und Schüler/innen einzuhalten. Sofern im Sportunterricht ein bestimmter Körperkontakt (z.B. im Rahmen von Hilfestellung bei Übungen) nötig ist, holt sich die Lehrkraft zuvor das Einverständnis der Schüler/innen.
  • Die Selbstverteidigungskurse im Sportunterricht sind sehr sinnvoll, sollten jedoch möglichst früh eingeführt werden.
  • Das Selbstwertgefühl der Schülerinnen und Schüler muss umfassend gestärkt werden.
  • Schülerinnen und Schüler sollten nicht aufgrund ihres Aussehens bevorzugt oder benachteiligt werden.
  • Das Thema „Nähe und Distanz“ muss auch im Unterricht angesprochen werden – man darf es nicht tabuisieren.
  • Jede/r hat einen Anspruch auf den Schutz der eigenen Privatsphäre.
  • Alle (Schüler/innen und auch Lehrer/innen!) sollten auf angemessene Kleidung achten.
  • Keine Provokation durch Kleidung, verbale Äußerungen oder unangemessenes Verhalten.
  • Bei Vier-Augen-Gesprächen zwischen Lehrer/innen und Schüler/innen muss die Tür offenstehen.
  • Lehrer dürfen ihre Autorität nicht dazu missbrauchen, um Schüler/innen einzuschüchtern.
  • Alle Lehrkräfte sollten eigens zu diesem Thema weitergebildet werden.
  • Lehrkräften, die Grenzen überschreiten, müssen durch die Schulleitung ihre Grenzen gezeigt bekommen.

Darüber hinaus fußt die Arbeit in diesem Bereich auf einem umfassenden innerschulischen Beratungsnetzwerk (Schulseelsorge, Klassen- und Jahrgangsstufenlehrer, Vertrauens- und Beratungslehrer). Der Einbezug außerschulischer Kontakte, wie die Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst katholischer Frauen, „Belladonna“ und „Lilith“ und der Kriminalpolizei ist an unseren Schulen obligatorisch. Eine Vorstellung der Kontaktpersonen zu Beginn jedes Schuljahres ist angedacht, damit die Schülerinnen sich zu den Beratungsstellen auch ein „Gesicht“ vorstellen können.

 

„Begegne den Dingen, bevor sie da sind.“ (Laotse)

 

Ziele des Konzeptes:

  • Selbstbestimmung über den eigenen Körper und die eigenen Gefühle
  • Minderung der Hemmschwelle, um Hilfe zu bitten
  • Kennenlernen von Ansprechpartnern und Institutionen auch außerhalb von Schule, die fachkompetenten Rat geben können

Den oben gewählten Leitgedanken greifen unsere Schulen in folgenden Fächern und Maßnahmen auf:

 

Biologie:

Das Problemfeld „sexueller Missbrauch“ ist im Fach Biologie in den Aufklärungsunterricht der Jahrgangsstufen 6/7 und auch 9 integriert. Besonders im Jahrgang 6 wird diesem Thema ein breites Feld geboten und auf Missbrauchsmöglichkeiten und Strategien, diesen zu entgehen, hingewiesen. Anhand von anonymen Fallbeispielen wird diskutiert, Hilfestellungsmöglichkeiten in solchen Situationen werden konkretisiert, Hinweise auf Kontaktstellen in Paderborn gegeben. Das Thema ,,Verantwortungsbewusster Umgang mit der Sexualität“ bietet darüber hinaus in der 9. Jahrgangsstufe die Gelegenheit, das Thema vertiefend zu verhandeln.

Für eventuelle Fälle wird darauf hingewiesen, dass die Biologielehrerinnen / Biologielehrer sowie die besonders ausgebildeten Beratungslehrer bzw. eine andere Lehrkraft des persönlichen Vertrauens jederzeit als Ansprechpartner und Vermittler zu fachlich spezialisierten Organisationen zur Verfügung stehen.

 

Religion:

Der Religionsunterricht bietet in der Sekundarstufe I besonders in dem Bereich Ethik mit den Themen „Ich und die anderen“ (Freundschaft) und „Auf dem Weg zu einer gelungenen Identität“ (Suchtprophylaxe) und im Jahrgang 9 mit der Unterrichtsreihe „Freundschaft, Liebe, Partnerschaft“ ein Themenangebot, um über wesentliche Kriterien von Freundschaft, Partnerschaft, Liebe und Sexualität zu reflektieren.

 

Sport:

Ich-Stärkung und Selbstbehauptung im Sportunterricht der Klassen 8:

Die Schulen St. Michael bieten allen Schülerinnen der 8. Klassen eine Unterrichtsreihe „Selbstbehauptung und Selbstverteidigung“. Dieser Kurs umfasst 12 Doppelstunden und ist integriert in den Sportunterricht der 8. Klassen und wird von zwei dafür besonders ausgebildeten Sportlehrerinnen im Team unterrichtet. Zwei Besuche einer Kommissarin aus dem Bereich Vorbeugung ergänzen den Unterricht.

In diesem wichtigen Kurs sollen unsere Schülerinnen unterstützt werden, ihre Wahrnehmungen und Bedürfnisse zu erkennen und zu verteidigen, bedrohliche und gewalttätige Situationen frühzeitig einzuschätzen und aktiv zu werden. Anstatt Ratschläge bezüglich Vermeidungsverhalten und Ohnmacht zu geben, werden unsere Schülerinnen in diesem Kurs gestärkt. Es geht um die mentale Vorbereitung auf bedrohliche und gefährlicheSituationen, um eine angemessene und effektive Reaktion auf Belästigungen und Gefahren, um Angstabbau und Stärkung des Selbstbewusstseins.

In dem Selbstbehauptungsunterricht lernen die Mädchen spielerisch mit Konfliktsituationen umzugehen, Lösungsmöglichkeiten zu finden, Grenzen zu setzen und ihr „Nein“ deutlich auszudrücken. Der Kurs möchte den Schülerinnen Mut machen, ihre Persönlichkeit und Würde zu verteidigen und sich ihrer persönlichen Stärken bewusst zu werden. Somit bietet Antikonflikt- und Selbstbehauptungstraining einen modernen Ansatz, den vielfältigen Anforderungen im Leben zu begegnen.

 

Pädagogik:

Sekundarstufe II

Für das Ende der Einführungsphase (Ende des 2. Halbjahres der Jahrgangsstufe 10) ist für das schulinterne Curriculum für das Fach Pädagogik eine Ergänzung um die Thematik „Grenzüberschreitung – Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen“ als obligatorischer Unterrichtsinhalt geplant.

Zu diesem Zeitpunkt sind die Mädchen bereits mit dem Fach Pädagogik und seiner Arbeitsweise in Berührung gekommen und im wissenschaftlichen Umgang mit Fragen und Problemstellungen geübter und sicherer.

Auch die Beziehungen untereinander sowie zur Lehrperson sind vertrauter, sodass eine unterrichtliche Annäherung an die Situation missbrauchter Kinder und Jugendlicher geschehen kann, die Entstehungsbedingungen sexuellen Missbrauchs genauer untersucht werden können und ein Schwerpunkt auf Therapien und Anlaufstellen in Paderborn gelegt werden kann.

Um den Schülerinnen auch einen objektiven Blickwinkel sowie Gespräche mit Experten zu ermöglichen und sie beschäftigende Fragen z.B. auch zu autoaggressivem Verhalten an eine Fachkraft stellen zu können, arbeitet die Fachschaft Pädagogik eng mit der Beratungsstelle der Caritas und dem Sozialdienst katholischer Frauen „Belladonna“ zusammen.

So wird überlegt, in diese Unterrichtsreihe jeweils eine Vormittagsveranstaltung mit diesen Organisationen für die Schülerinnen und eine Abendveranstaltung für interessierte Eltern, Kolleginnen und Kollegen sowie Schülerinnen der Oberstufe zu integrieren.

 

„Klick clever! Pass auf im Netz!“ ( ITB-Unterricht / Deutsch oder jede andere Klassenlehrer-Doppelstunde):

Immer mehr Jugendliche machen von den neuen Medien Gebrauch, handeln dabei häufig technisch versiert, dennoch aber unkritisch und teilweise naiv. Jedes zweite Mädchen gibt an, bereits mindestens einmal unerwünscht im Chat nach sexuellen Dingen gefragt worden zu sein.

Als Ansatzpunkt für Prävention bietet sich der kritische Umgang mit eigenen Daten an.

Denn Täter sexueller Belästigung greifen diese persönlichen Daten (Adressen, Fotos, Informationen über Hobbys und Vorlieben etc.) ab oder erschleichen sich diese und nutzen sie, um auf unterschiedliche Weise mit Opfern in Kontakt zu treten, Gemeinsamkeiten vorzutäuschen oder diese zu erpressen.

Ein weiterer Ansatzpunkt zur Prävention ist das Erlernen von richtigen Reaktionsweisen, wenn sich problematische Situationen bei der Nutzung moderner Medien anbahnen.

Dieses Problemfeld ist in einer Unterrichtssequenz innerhalb des Informationstechnischen Unterrichts (ITB) in der Jahrgangsstufe 7 verankert.

Darüber hinaus wurden durch die Zusammenarbeit mit Studierenden des Faches Psychologie der Universität Münster, die in unseren 6. Klassen im Februar 2011 das Projekt „Klick clever! Pass auf im Netz!“ erfolgreich durchgeführt haben, auch die begleitenden Klassenlehrer mit den praktischen Übungen dieser Präventionsmaßnahme vertraut gemacht, um sie in Zukunft selbst in Klassen durchzuführen bzw. Kollegen in das Material einzuführen. Im laufenden Schuljahr hat es bereits einen Vortrag für die sechsten Klassen zum Thema „Datensicherheit auf Facebook“ gegeben.

Fortschreibung des Konzepts - Stand 2014

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Text: A. Friede, A. Hoppe, E. Cremer